Zweithaar-Liebe
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Beratung6 Min. LesezeitVon Barbara Schuhmaier · 6. Juli 2026

Turban, Tücher und Mützen bei Chemo: ehrliche Beratung statt Entweder-oder

Symbolbild: weich gefaltete Turbane und Tücher in Creme- und Goldtönen auf dem Holzregal
Symbolbild

Perücke oder Kopftuch? Diese Frage bekommen wir oft gestellt, und unsere ehrliche Antwort lautet: Das ist kein Entweder-oder. Die meisten Frauen kombinieren beides, je nach Tag, Situation und Gefühl. Hier erfährst du, welche Kopfbedeckungen es gibt, welche Materialien deiner Kopfhaut guttun und was die Krankenkasse übernimmt.

Perücke oder Kopftuch: Was ist besser bei Chemo?

Beides hat seinen Platz, und die ehrliche Antwort ist: die Kombination. Die Perücke ist stark für Momente, in denen du einfach du selbst sein willst, im Job, bei Feiern, unter Menschen. Der Turban oder das Tuch ist bequemer zu Hause, nachts, bei empfindlicher Kopfhaut und an Tagen, an denen alles leicht sein soll. Die meisten unserer Kundinnen nutzen beides im Wechsel.

Wichtig ist uns dabei ein Grundsatz: Es gibt kein richtig oder falsch, es gibt nur deinen Weg. Manche Frauen tragen die Perücke vom ersten Tag an täglich, andere fast nie und fühlen sich im Turban freier, wieder andere zeigen ihren Kopf ganz offen. Alles davon verdient Respekt. Unsere Aufgabe ist nicht, dir etwas zu verkaufen, sondern dir alle Möglichkeiten zu zeigen, damit du selbstbestimmt entscheiden kannst. Was rund um die Therapie sonst noch wichtig ist, findest du im Ratgeber Zweithaar bei Chemotherapie.

Welche Materialien schonen die empfindliche Kopfhaut?

Während der Chemo ist die Kopfhaut oft trocken, empfindlich und berührungsempfindlich. Am besten vertragen werden weiche Naturmaterialien: Baumwolle und Bambusviskose sind atmungsaktiv, saugfähig und kratzen nicht. Wichtig sind außerdem flache oder ganz fehlende Nähte im Inneren, denn jede dicke Naht kann auf der haarlosen Kopfhaut drücken. Synthetikstoffe, die schwitzen lassen, und Wolle direkt auf der Haut sind eher ungünstig.

  • Baumwolle: atmungsaktiv, unkompliziert waschbar, ideal für den Alltag.
  • Bambusviskose: besonders weich und temperaturausgleichend, unsere Empfehlung bei sehr empfindlicher Kopfhaut.
  • Seide und Satin: glatt und edel für besondere Anlässe, allerdings weniger saugfähig.
  • Fertig geformte Turbane: schnell aufgesetzt, ohne Bindetechnik, in vielen Farben.
  • Tücher zum Selberbinden: wandelbar, individuell, brauchen ein wenig Übung.

Wie binde ich ein Chemo-Tuch, ohne dass es rutscht?

Der wichtigste Trick: eine dünne Baumwoll- oder Bambushaube als rutschfeste Unterlage, denn auf glatter Kopfhaut hält Stoff schlechter als auf Haar. Darüber funktioniert die einfachste Technik so: Tuch mittig an der Stirn ansetzen, die Enden im Nacken kreuzen, nach vorne oder hinten führen und seitlich eindrehen oder knoten. Fertige Turbane ersparen dir das komplett.

Ein Volumen-Kissen unter dem Stoff gibt dem Kopf eine natürliche Silhouette, das macht im Spiegel einen großen Unterschied. Eine Zwischenlösung, die kaum jemand kennt: Ein Haarkranz unter Tuch oder Mütze zeigt am Ansatz und im Nacken echtes Haar und ist leichter als eine komplette Perücke. Im Studio zeigen wir dir die Bindetechniken in Ruhe, bis es sitzt.

Zahlt die Krankenkasse Turban und Tücher?

Hier sind wir ehrlich: Die Perücke ist als Hilfsmittel anerkannt, die gesetzliche Kasse beteiligt sich mit einem Festbetrag. Turbane, Tücher und Mützen gelten dagegen meist als Gebrauchsgegenstände und werden in der Regel nicht erstattet, einzelne Kassen zahlen freiwillig einen kleinen Zuschuss. Die gute Nachricht: Kopfbedeckungen kosten einen Bruchteil der Perücke, mit 20 bis 60 Euro pro Stück bist du meist dabei.

Wie die Kostenübernahme für die Perücke genau funktioniert, vom Rezept bis zur Abrechnung, erklären wir Schritt für Schritt im Ratgeber Perücke über die Krankenkasse. Ein Tipp aus der Praxis noch für die Nächte: Ohne Haar verliert der Körper über den Kopf viel Wärme, eine weiche Schlafmütze gehört deshalb für fast alle Frauen zur Grundausstattung, gerade in der kalten Jahreszeit.

Würde und Selbstbestimmung stehen an erster Stelle

Als Fachbetrieb im Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten begleiten wir in Augsburg seit Jahren Frauen durch die Chemo-Zeit, und wir wissen aus dem eigenen Alltag mit Zweithaar, wie unterschiedlich gute Tage und schwere Tage aussehen. Deshalb bekommst du bei uns beides gezeigt, Perücke und Kopfbedeckung, ohne Druck in irgendeine Richtung. In einem diskreten Einzeltermin schauen wir gemeinsam, was sich für dich richtig anfühlt, gerne schon vor Beginn der Therapie: Vereinbare hier deinen Termin. Und wenn die Haare nach der Therapie wiederkommen, begleiten wir auch diese Phase, mehr dazu im Ratgeber Haare nach der Chemo.

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Häufige Fragen

Brauche ich überhaupt eine Perücke, wenn ich lieber Tücher trage?

Nein, du brauchst gar nichts, was sich für dich falsch anfühlt. Viele Frauen kommen wunderbar mit Turbanen und Mützen durch die Therapie. Wir empfehlen nur, die Perückenfrage vor dem Haarverlust einmal in Ruhe anzuschauen, weil die Kasse sich beteiligt und die Anpassung mit vollem Haar leichter ist. Entscheiden kannst du dich später immer noch.

Wie viele Tücher oder Turbane brauche ich?

Bewährt haben sich drei bis fünf Stück: zwei bequeme für zu Hause und die Nacht, zwei schönere für unterwegs, dazu je nach Jahreszeit eine warme Mütze. So hast du immer ein frisches Teil, während eines in der Wäsche ist. Baumwolle und Bambus lassen sich problemlos in der Maschine waschen, das macht den Alltag einfach.

Warum brauche ich nachts eine Mütze?

Ohne Haar gibt der Kopf deutlich mehr Wärme ab, viele Frauen frieren nachts oder wachen durch das Kältegefühl auf. Eine weiche Schlafmütze aus Baumwolle oder Bambus hält warm, nimmt Schweiß auf und schützt die empfindliche Kopfhaut vor der Reibung am Kissen. Sie gehört zu den kleinen Dingen mit der größten Wirkung im Chemo-Alltag.

Kann ich Turban und Perücke am selben Tag wechseln?

Ja, das ist sogar der Alltag der meisten Kundinnen: morgens die Perücke für Arbeit oder Termine, nachmittags zu Hause der bequeme Turban. Beides liegt griffbereit, der Wechsel dauert eine Minute. Wichtig ist nur, der Kopfhaut zwischendurch Luft zu gönnen und die Perücke auf einem Ständer auslüften zu lassen, dann bleibt beides lange schön.

Was ist ein Haarkranz und für wen lohnt er sich?

Ein Haarkranz ist ein schmaler Streifen Haar, der unter Mütze oder Tuch getragen wird und am Ansatz und im Nacken echtes Haar zeigt. Die Kopfmitte bleibt frei, dadurch ist er leicht und luftig. Er lohnt sich für Frauen, denen die Perücke an manchen Tagen zu warm ist, die aber mit Haar aus dem Haus gehen möchten.

Barbara Schuhmaier, Gründerin von Zweithaar-Liebe

Geschrieben von

Barbara Schuhmaier

Gründerin von Zweithaar-Liebe in Augsburg, Zweithaarspezialistin und Mitglied im Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten. Barbara trägt selbst täglich Zweithaar und hat über 1.000 Frauen auf ihrem Weg begleitet. Bekannt aus der Augsburger Allgemeinen. Lern das Team kennen

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